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TEXT   Christine von Welck

Steine ohne Mörtel oder Zement zu stabilen Mauern aufzuschichten, ist eine jahrtausendalte Bautechnik. Solche Trockenmauern prägen weltweit in vielen Regionen die Landschaft und sind auch für den Garten ästhetisch wie funktional eine Bereicherung – die perfekte Symbiose von Handwerk, Kunst und Natur.

So eine Trockenmauer ist regelrecht ein Kunstwerk: Es braucht reichlich Fachwissen, handwerkliches Geschick und Erfahrung, um in zig Stunden Handarbeit Hunderte von Natursteinen ganz ohne Mörtel
und Zement so aufzuschichten, dass sie eine ebenso stabile wie optisch ansprechende Mauer bilden. Keine Trockenmauer gleicht der anderen, jede ist einzigartig und für den Handwerker, der sie ausführt, eine neue He-rausforderung. Neben seiner Erfahrung und seinem Geschick sind es die Steine, die das Bild der Mauer prägen: ihre Farbgebung, ihre Größe – und ihre Form. Denn es müssen nicht wie bei „normalen“ anderen Mauern rechte Winkel und gerade Fugen sein – im Gegenteil: Jeder Stein wird, manchmal ganz unbehauen, individuell eingepasst und so lange probiert, bis es passt. Das erfordert Erfahrung und Leidenschaft – beides Eigenschaften, die Dirk Teske und sein Team in reichem Maße mitbringen. Der Mitinhaber von lebendige gärten hat die Trockenmauer zu so etwas wie dem Markenzeichen seines Garten- und Landschaftsbaubetriebs in Eberdingen bei Stuttgart entwickelt. In der Region, die durch teils steile Hanglagen und den Weinbau geprägt ist, hat der Bau von Trockenmauern eine lange Tradition.


Dirk Teske
»"Die optische Vielfalt ist grenzenlos, wichtig ist aber, dass ein homogenes Bild entsteht."«
Eine Trockenmauer im Garten ist ein Statement für Natürlichkeit und Handwerkskunst gleichermaßen.
Was nicht passt, wird passend gemacht

Bei der kunstvollen Schichtung der unterschiedlichsten Steine ist viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. „Die größte Herausforderung ist es, die Steine auszusuchen, passend zu bearbeiten und schließlich optisch und technisch einwandfrei zusammenzufügen“, erklärt Dirk Teske. Maschinell bearbeitete Steine bieten zwar den Vorteil, dass sie sich leichter und schneller zusammensetzen lassen, weil sie regelmäßiger als naturbelassene sind. Dirk Teske bevorzugt jedoch, die im Steinbruch nur grob zugerichteten Steine erst auf der Baustelle per Hand zu bearbeiten. Wie vor 100 Jahren behaut der Profi dann jeden Stein einzeln und so, wie er es gerade braucht. Je nach Steinauswahl, Bearbeitung und Schichtung entstehen so die unterschiedlichsten Mauerbilder. Steingrößen, -höhen, -formate, -formen oder aber auch die Schichthöhen können innerhalb einer Mauer variiert werden. „Die optische Vielfalt ist grenzenlos, wichtig ist aber, dass ein homogenes Bild entsteht“, so der Gärtner von Eden. Diese kleinteilige, individuelle Arbeit ist aufwendig, kostet Zeit – und natürlich auch Geld. Je nach Steingröße rechnet Dirk Teske mit sechs bis acht Stunden Arbeit pro Quad-ratmeter Mauerwerk.

Vielfältige Möglichkeiten

Der Baustoff, aus dem eine Trockenmauer entsteht, ist Naturstein, und den gibt es in unendlicher Vielfalt. Dirk Tes-ke empfiehlt, regionaltypischen Stein zu verwenden. „Das spart nicht nur lange Transportwege, sondern die Mauern fügen sich auch besser in die Umgebung ein“, lautet seine Begründung. „Wir arbeiten überwiegend mit Sandstein, der in der Umgebung traditionell zur Abstützung von Weinbergen genutzt wird und der Region damit auch ihr typisches Gesicht gibt.“ Dabei muss nicht immer nur eine Gesteinsart pro Garten zum Einsatz kommen, manchmal kann auch eine Mischung reizvoll sein – immer vorausgesetzt, dass die einzelnen Arten gut miteinander harmonieren. Außerdem arbeitet Teske, wo immer es geht, mit Steinen aus Bauabrissen. Diese recycelt er, tut damit etwas für die Nachhaltigkeit und verleiht seinen Trockenmauern gleichzeitig noch eine Extraportion an Individualität und Historie. Es gibt auch immer wieder Kunden, die eigene Steine in ihrer Mauer verbaut haben möchten. „Zum Beispiel Fundstücke aus der Jugend, jahrhundertealte Familiengrabsteine oder ein Stück des ehemaligen Stuttgarter Bahnhofs“, verrät der Gartengestalter.

Pflanzen für Trockenmauern

Mauerfugen:

Zimbelkraut (Cymbalaria muralis)
Hauswurz/Steinrose (Sempervivum in versch. Arten und Sorten)
Mauerpfeffer (Sedum in versch. Arten und Sorten)
Steinbrech (Saxifraga in versch. Arten und Sorten)
Lerchensporn (Corydalis lutea)


Mauerkrone

Flammenblume (Phlox subulata in versch. Sorten)
Blaukissen (Aubrieta x cultorum)
Teppich-Aster (Aster ericoides "Snowflurry")

Wenn die Bepflanzung über die Trockenmauer wächst, verschmelzen beide zu einer natürlichen Einheit.
Druck ablassen

Ob als gemütliche Sitzmauer, charaktervoller Raumteiler oder stilvoller Sichtschutz: Dank ihrer einzigartigen Ästhetik können Trockenmauern im Garten vielfältig eingesetzt werden. „Das klassische Einsatzgebiet für Trockenmauern ist, mit ihnen die Terrassen von Hanggrundstücken abzufangen“, erklärt Teske. „Sie geben den einzelnen Terrassen und ihrer Bepflanzung einen hoch ästhetischen Rahmen und verleihen ihnen Halt – statisch wie optisch.“ Dabei sind Trockenmauern keine statischen Bauwerke, sondern immer in Bewegung. „Deshalb ist bei der Hangabstützung, neben einem frostfrei gegründeten Fundament, der sogenannte Anlauf entscheidend, also eine Neigung von zehn Prozent in Richtung Hang“, so Teske. Das sorgt für mehr Stabilität. „Weiter steht und fällt die Qualität einer Trockenmauer mit der Hintermauerung“, erklärt der Experte. Diese reduziert zum einen den Druck des Hangs auf die Mauer, zum anderen besitzt sie eine Drainagewirkung, sodass Regenwasser hinter der Mauer ablaufen kann. „Am Fuß jeder Trockenmauer sollte zudem ein Drainagerohr verlegt werden, damit nach starken Regenphasen und Frost die Mauer keinen
Schaden nimmt“, erklärt Dirk Teske weiter.

Stein mit grüner Seele

Zum Wesen einer Trockenmauer gehört, dass ihre offenen Fugen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten. In den Hohlräumen zwischen den Steinen fühlen sich besonders kleine Eidechsen wohl, die die von der Sonne aufgewärmten Steine lieben. Aber auch Insekten und kleine Vögel nutzen die Fugen als Rückzugsort. Für die Bepflanzung der Fugen eignen sich trockenheitslieben-de Pflanzen wie Steinbrech oder Sedum, die völlig ohne Gießwasser auskommen. Damit ist die Verbindung aus Bauwerk und Natur endgültig perfekt.

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