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TEXT   Stefanie Syren

Moden kommen und gehen, das gilt auch für die Küche. Zwar sind Trends auf dem Teller oder im Gemüseregal nicht so kurzlebig wie auf dem Laufsteg, trotzdem wandeln sich kulinarische Vorlieben im Laufe der Jahre. Manchmal wird Altbekanntes wieder neu entdeckt. So wie der Kohl, der von der Hausmannskost zum Lieblingsgemüse mancher Hollywoodstars avancierte.

Jennifer Aniston schwört auf ihn als Schlankmacher, Gwyneth Paltrow hat ihn ebenfalls für sich entdeckt und Kevin Bacon ließ sich sogar zu folgendem, sicher nicht ganz ernst  gemeinten, Satz hinreißen: „Ein Tag ohne Grünkohl ist wie ein Tag ohne Sonnenschein.“ Das Bekenntnis dieser und anderer Stars hat das einstige Arme-Leute-Essen zum Geheimtipp mit Glamour-Faktor geadelt. Ein Grund für die steigende Beliebtheit sind sicher seine nachgewiesenermaßen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe, die übrigens nicht nur der von den Stars gepriesene Grünkohl bietet, sondern sämtliche Vertreter der Kohlgewächse.

Vom Unkraut zum Gemüse

Die ersten Kohlpflanzen dürften eher zufällig auf den Äckern unserer Ahnen gelandet sein. Doch vermutlich ließen sich schon die Steinzeit-Menschen die nahrhaften Blätter dieses vermeintlichen Unkrauts schmecken. Bis heute wächst dieser anspruchslose Wildkohl, der ebenso wie unsere Gemüsekohl-Arten botanisch Brassica oleracea heißt, auf Helgoland und an den Meeresküsten.  Im Laufe der Zeit gelang es den Menschen, immer neue Spielarten des Kohls zu züchten. Die heutige Vielfalt innerhalb der Art fasziniert: Von kopfbildenden Formen wie dem Wirsing, Weiß-, Rot- oder Rosenkohl über Blattkohl wie dem Grünkohl bis hin zu Sorten, von denen wir die Blütenknospen verzehren, wie dem Blumenkohl oder Brokkoli.

Gesund sind sie alle, und das ist auch nichts Neues: Schon in der Antike aßen Griechen wie Römer Kohl und versprachen sich dadurch unterschiedlichste Heilwirkungen. Mittlerweile lassen sich zumindest einige der Inhaltsstoffe auch nachweisen: Die meisten Kohlsorten enthalten viel Vitamin C, Mineralstoffe wie Calcium oder Magnesium und in der Regel weniger als 30 Kilokalorien pro 100 Gramm.

Imagewandel vollzogen
Nicht nur der Wirsing gilt heute als modernes Powergemüse
Palmen im Blumenbeet

In der Küche lohnt es sich also, jede Spielart des Gemüsekohls zu servieren. Wer ihn selbst im Garten pflanzen möchte, sollte zu den vergleichsweise pflegeleichten und zugleich hübschen Sorten greifen. Während der Weißkohl im Erwerbsgartenbau am häufigsten angebaut wird, empfehlen sich für Privatgärten andere Sorten – vor allem der eingangs erwähnte Grünkohl: Er gilt als robust und hat zudem den Vorteil, dass er ab dem Spätherbst Blatt für Blatt bis zum Frühling gepflückt werden kann. Geerntet wird nach Bedarf, der Rest der Pflanze bleibt stehen und wächst bei milden Temperaturen weiter. Da die Blätter von unten nach oben gepflückt werden, erinnern die übrig gebliebenen Pflanzen mit der Zeit an kleine Palmen. Einige Sorten wie die ‘Ostfriesische Palme’ weisen schon in ihrem Namen darauf hin. Aber auch die bekannte Sorte ‘Lerchenzungen’ nähert sich mit jeder Ernte optisch einer Palme. In einem vollsonnigen, nährstoffreichen und nicht zu dicht bepflanzten Beet macht sich der Grünkohl gut als strukturgebende Ergänzung zwischen Blütenpflanzen. Auf Gartenschauen wurde er zum Erstaunen der Besucher auch schon hin und wieder zwischen Dahlien gesetzt. Meist kommt dort Palmkohl wie der ‘Cavolo Nero’ zum Einsatz oder auch die besonders auffällige Sorte ‘Redbor’. Letzterer hat derart hübsche, purpurfarben gekräuselte Blätter, dass er von vielen Menschen als reine Zierpflanze eingesetzt wird. Dabei lassen sich auch seine Blätter wie „gewöhnlicher“ Grünkohl zubereiten.

Wer es noch ungewöhnlicher mag, kann zur Sorte ‘Flower Sprouts’, einer Kreuzung aus Grün- und Rosenkohl greifen. Die purpur und grün gefärbten Röschen sind ein Hingucker auf jedem Teller und bis jetzt noch selten im Handel zu bekommen. Wie der Grünkohl ist auch diese Gemüse-Neuheit absolut frosthart, schmückt die Beete bis zum Frühling und beweist, dass es manchmal Unsinn ist, zwischen Zier- und Nutzpflanzen zu unterscheiden.

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