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Von Innen nach Außen

Wer ein Haus sein Eigen nennt, ist in der Regel bestrebt, diesem Ort seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken und ihn dem eigenen Geschmack und den eigenen Bedürfnissen folgend auszugestalten. Gleiches gilt auch für den dazugehörigen Garten. Die hohe Kunst der Gartengestaltung besteht nun darin, Innen- und Außenräume in eine möglichst harmonische Beziehung zueinander zu setzen. In Vollendung gelungen ist dies bei folgendem Beispiel.

Purismus ist das Prinzip, nach dem dieses Haus gebaut wurde: Rechte Winkel, Offenheit und klare Linien prägen die Immobilie. Noch bevor sie eingerichtet war, suchten die Bauherren den Kontakt zu der Gartenarchitektin Margarete Hoberg-Klute, um ihrem Haus den passenden grünen Rahmen geben zu lassen. Auch ohne Möblierung war der erfahrenen Planerin schnell klar, wie der Garten aussehen musste, damit sich ein harmonisches Ganzes aus Drinnen und Draußen ergeben würde. Um dieses Ziel zu erreichen, konzentrierte sich die Gartenarchitektin auf einige wenige stilbildende Elemente.

Bodenbeläge

Gestaltungsprinzip 1 – Fortführung von Linien aus dem Innenraum im Garten:
Hier wurde gleich doppelt mit dem gespielt, was das Haus vorgab: Zum einen greifen die großformatigen Betonplatten der Südterrasse mit ihrem Fugenbild exakt die Achsen der Fenster auf. Zum anderen kamen auf der Nordterrasse Bangkirai-Dielen zum Einsatz – und zwar in einer für den Garten eher untypischen Verlegerichtung quer zur Fassade. Dies geschah ganz bewusst – nämlich, um den Holzfußboden in dem nur durch ein großflächiges Fenster von der Terrasse getrennten Wohnraum quasi nahtlos fortzusetzen.

Treppen

Nicht ganz unproblematisch machte die Gestaltung des Grundstücks die Tatsache, dass zwischen Straße und rückwärtigem Garten ein Höhenunterschied von annähernd neun Metern überbrückt werden musste. Treppenstufen im Außenbereich waren also eine Pflichtaufgabe. Aus diesen zunächst rein funktionalen Elementen schafft die Garten-gestaltung eine eindrucksvolle Verbindung ins Innere des Hauses: Wer von der Straße auf das Haus zukommt, geht eine Treppe aus Betonblockstufen hinunter, und zwar genau in der Flucht des Eingangs des Hauses, der über die ganze Höhe der Fassade verglast ist. Und genau hinter diesem Fenster liegt die Innentreppe, die die beiden Etagen des Hauses miteinander verbindet.

Wer den Weg um das Haus herum zum rückwärtigen Teil des Gartens wählt, muss weitere vier Stufen überwinden, die sich – man ahnt es schon – natürlich nicht zufällig genau an dieser Stelle befinden. Sie beginnen exakt dort, wo im vollkommen offen gestalteten Innenraum der Bereich für Küche und Esstisch durch einen Niveauunterschied von – natürlich – vier Stufen vom darunterliegenden Wohnbereich getrennt ist.

Wasserbecken

In der gärtnerischen Fachsprache nennt sich ein flaches Wasserbecken, wie es hier zum Einsatz kam, Reflectingpool. Und damit ist seine Funktion auch schon beschrieben: In ihm sollen sich gewisse Bereiche des Hauses und/oder Gartens spiegeln. Hier wurde das Spiegelbecken nicht einfach so angelegt, dass ein Teil der Fassade darin zu sehen ist. Vielmehr hat es exakt die Breite des zweigeschossigen Fensterelements, zu dessen Füßen es sich erstreckt.

Materialien

Gestaltungsprinzip 2 – Reduzierung auf ein Minimum:
Die Aufzählung der in diesem Garten verwendeten Materialien ist kurz: Beton, Holz, Edelstahl – stets geradlinig im Zuschnitt und immer rein funktional eingesetzt. Auch das ist eine Reminiszenz an die Materialien, Formen und Farben, die die Gartenarchitektin im und am Haus vorfand: Holzdielen, Betonböden, kubische Möbel in Grau und Beige. Dank zahlreicher und großer Fensterflächen ist der Blick von drinnen nach draußen und umgekehrt nahezu überall möglich, und die formale und farbliche Harmonie zwischen Innen- und Außenraum sorgt dafür, dass deren Begrenzungen kaum noch wahrgenommen werden.

Pflanzen

Auch hier beschränkt sich die Abwechslung auf ein Minimum. Langweilig, könnte man meinen – aber in erster Linie konsequent. Ein bunt und vielseitig blühendes Biotop hätte wohl kaum zu einem derart puristischen Haus und seinen Bewohnern gepasst. Wenn in diesem Garten etwas blüht, dann in Weiß. Dominiert wird das Pflanzkonzept aber von Immergrünen wie Buchs und  Kirschlorbeer, die in Massenpflanzungen zu ruhigen, rechtwinkligen Flächen verschmelzen. Damit erzielte die Planerin gleich mehrere Effekte: Zum einen spiegeln die Pflanzungen die Vorliebe der Gartenbesitzer für Purismus wider, zum anderen sorgt die Pflanzenauswahl für ein ganzjährig grünes Gartenbild, und schließlich wird sie auch dem Wunsch der Besitzer nach Pflegeleichtigkeit gerecht. Ein paar bewusst gesetzte Farbakzente kommen von Amerikanischen Eichen im hinteren und Felsenbirnen im vorderen Gartenbereich – beides Gehölze, die durch eine umwerfende Herbstfärbung bestechen.

Text
Christiane Stoltenhoff