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Wahre Größe kennt keine Grundstücksgrenzen

Im Garten möchte man sich wohlfühlen und entspannen, und dazu braucht es nicht unbedingt viel Platz. Wer Denkverbote über Bord wirft und einem kleinen Grundstück mit offenem Geist begegnet, wird erfreut feststellen, dass sich Gartenglück nicht in Quadratmetern messen lässt.

Die Zeiten ändern sich: In den 1950er-Jahren waren Grundstücksgrößen von 1.000 Quadratmetern und mehr häufig, entsprechend große Gärten waren die Regel. Ganz anders heute: Ein Garten von 200 Quadratmetern oder weniger ist heute nichts Ungewöhnliches mehr, und gerade in den Ballungsräumen der Großstädte gilt es als Luxus, überhaupt einen Garten zu haben. Abgesehen davon, dass Grundstücke in begehrten Lagen rar und entsprechend teuer sind, hätten die wenigsten Menschen genug Zeit, sich um einen weitläufigen Garten zu kümmern. Es geht vielmehr darum, die vermeintlich kleine Fläche so zu gestalten, dass man sich wohl darin fühlt. Gute Ideen und Entscheidungsfreude sind dabei gefragt, denn optische Kompromisse möchte man auf kleiner Fläche nicht gerne machen. Professioneller Rat hilft dabei, die Weichen richtig zu stellen.

Für Klarheit sorgen und Räume schaffen

Bernd Achtermann, Gerschäftsführer von GrünForm Achtermann in Springe, hat es in der Praxis oft mit so genannten „Handtuchgärten“ zu tun: „Rund die Hälfte der Gärten, die wir planen, gehören zu Reihenhäusern.“ Gerade bei diesen Grundstücken ist es wenig sinnvoll, den Begriff „klein“ nach der Anzahl der Quadratmeter zu richten. Viele dieser Gärten sind von der Fläche nicht unbedingt klein, aber so schmal geschnitten, dass man sie als beengt empfindet, findet Achtermann: „Ich würde das eher so ausdrücken: Für mich ist ein Garten klein, wenn er überschaubar ist. Im wahrsten Sinne des Wortes.“ Genau darin liegt für ihn auch das Problem: In Zeiten, in denen jeder Quadratmeter kostbar ist, haben manche Menschen regelrecht Angst davor, das eigene Grün zu gestalten. Sie befürchten, es könnte dann noch kleiner wirken, erzählt Achtermann: „Oft wird dann nur Rasen angesät und als Abgrenzung nach außen eine Hecke gepflanzt. Das war es dann.“ Damit wird aber genau das Gegenteil von dem erreicht, was angestrebt wird: Der Garten präsentiert sich überschaubar und eintönig.

Dabei sollten gerade kleinere Flächen gestaltet werden, findet auch Markus Högl, Geschäftsführer von Högl und Mandlmeyer in Münchsdorf bei Landshut: „Diese Grundstücke brauchen eine konsequente Raumaufteilung. Fehlt das, wirken die Flächen wie ein öder Einheitsbrei.“ Denn auch wenn es paradox klingt: Kleinen Gärten tut die Unterteilung in verschiedene Räume gut und es wäre schade, Hecken lediglich als Abgrenzung nach außen zu nutzen. Markus Högl: „Blicke lassen sich lenken und unterbrechen. Dazu kann ich Hecken oder andere Elemente nutzen. Dann ergeben sich verschiedene Räume. Der Garten ist nicht als Ganzes überschaubar und wirkt interessanter. Natürlich dürfen die Raumteiler nicht zu hoch wirken, sonst würde ein Gefühl von Enge entstehen, und genau das möchte ich ja vermeiden.“ Auch Bernd Achtermann nutzt Raum bildende Elemente für den Garten und wahrt dabei die Maßstäblichkeit: „Es reicht ja zum Beispiel schon ein Heckenriegel, der nur 1,20 Meter hoch ist. Dann habe ich im Sitzen Rückendeckung und Sichtschutz und trotzdem wird der Garten nicht unnötig verschattet.“ Die Möglichkeiten, Räume zu bilden, sind vielfältig und gehen weit über Hecken- und Sichtschutzelemente hinaus. Auch Höhenunterschiede bieten die Möglichkeit, den Garten zu gliedern: Terrassierungen werten einen Hanggarten auf und auch tiefer liegende Bereiche, wie sie für Senkgärten typisch sind, lassen Flächen größer wirken.

Den Wechsel wagen und den Blick lenken

Manchmal ist es auch die Macht der Gewohnheit, die förmlich Grenzen setzt. Der alltägliche, immer gleiche Blick von der Terrasse aus auf den Garten kann zum Beispiel langweilen. Bernd Achtermann empfiehlt deshalb hin und wieder einen Ortswechsel: „Der Garten wirkt manchmal deshalb klein, weil wir ihn immer aus dem gleichen Winkel betrachten. Dann hilft es schon, sich einfach mal mit dem umgekehrten Blick hinzusetzen und vom Garten aus auf das Haus zu schauen. Dafür brauche ich nicht unbedingt einen zweiten komplett möblierten Sitzplatz. Schon eine Bank reicht für diesen verblüffenden Perspektivenwechsel aus.“ In terrassierten Gärten ist es auch möglich, die Stützmauern mit einer flachen, etwas breiteren Krone so zu gestalten, dass sie als unauffällige Sitzgelegenheiten dienen. Mit Kissen oder Polstern kann so der ungewohnte Blickwinkel durchaus komfortabel genossen werden, ohne dass weitere Möbel in den Garten gestellt werden müssen. Perspektiven lassen sich nicht nur durch Raum bildende Gehölze und einen Ortswechsel ändern. Je nachdem wie die Umgebung aussieht, sollte man die Blicke nicht nur innerhalb des Grundstücks lenken, sondern auch darüber hinaus. Weite kann man sich auch leihen, und wer vom Grundstück aus auf benachbarte Wiesen oder hohe Bäume sehen kann, sollte diese Perspektive unbedingt nutzen und mit in die Gestaltung einbeziehen. Wer den Blick über den Zaun hinaus schweifen lässt, holt sich automatisch Großzügigkeit in den Garten. Natürlich geht das nur dann, wenn die Umgebung entsprechend reizvoll aussieht. Umgekehrt kann man auch durch das gezielte Ausblenden von Störfaktoren Wohlbefinden schaffen und sich durch eine Aussparung in der Hecke die optischen Rosinen wie den Blick auf einen Kirchturm herauspicken.
 

Bloss nicht verzetteln und Pflanzen gezielt wählen

Geht es um geeignete Pflanzen für kleine Grundstücke, versteht es sich von selbst, dass Baumgiganten wie Rosskastanien oder Eichen nicht in Frage kommen. Das ist auch nicht weiter tragisch, denn die Vielfalt kompakt wachsender Gehölze ist groß. Einige davon lassen sich als Sichtschutz einsetzen und sind ebenfalls als Platz sparende und vorgezogene Spaliergehölze erhältlich. Besonders praktisch: Wer sich für Apfel- oder Birnbäume entscheidet, bei dem dienen diese Spaliere nicht nur als Raumteiler und Sichtschutz, sondern liefern im Spätsommer auch noch eine kleine Ernte. Eine Etage tiefer, in den Staudenbeeten, geht es weniger darum, besonders kleinwüchsige Exemplare zu wählen, sondern überhaupt Entscheidungen zu treffen. Ein Flickenteppich aus vielen verschiedenen Sorten wirkt unruhig, und das ist besonders in kleinen Gärten schade. Man kann nicht einfach weggucken, oft ist nur Platz für ein einziges Beet. Wer wenige Sorten wählt und diese dafür in vielen Exemplaren pflanzt, verleiht dem Beet hingegen Ruhe, und das ist gerade auf kleiner Fläche wichtig. Dann wird auch ein kleiner oder schmaler Garten als harmonisch empfunden. Grundsätzlich kommen kleine Gärten dem menschlichen Bedürfnis nach Geborgenheit ohnehin entgegen, weiß Bernd Achtermann: „Wenn ein Kunde einen sehr weitläufigen Garten hat, unterteilen wir diesen manchmal in mehrere kleine Einheiten, weil man sich in einem kleinen Garten einfach wohler und besser aufgehoben fühlt.“

Text
Stefanie Syren