Aktuelles

Lagerfeuer für
Fortgeschrittene

Mehr erfahren
Es grünt & blüht

Summende
Pollenboten

Mehr erfahren
Leben & Genießen

Gärtner Dich
gesund!

Mehr erfahren

Keiner wie der andere

Es grünt & blüht

Keiner wie der andere

Einen Baum zu pflanzen, gehört für viele Menschen zu den Dingen, die sie auf ihrem eigenen Grund und Boden unbedingt tun wollen. In diesem Akt scheint sich eine tiefe Sehnsucht nach der Schaffung von Bleibendem zu äußern. Auch wird hier das sprichwörtliche Wurzelnschlagen mit Händen greifbar. Doch wer wirklich den Baum zum Haus anschaffen möchte, sollte sich mit dem auseinandersetzen, was der Fachmann Habitus nennt. Nie gehört? Ist aber trotzdem wichtig.

In Definitionsdeutsch ist mit Habitus die Summe aller wesentlichen und typischen Eigenschaften einer Pflanze gemeint. In Bezug auf den Baum bedeutet das unter anderem seine Wuchsform und -höhe, Kronenausformung und sein Astbild, aber auch, wie er sich im Laufe der Jahreszeiten verändert, ob er sein Laub früh oder eher spät austreibt, eine besondere Rinde ausbildet und welche Farbe Blüten und Früchte haben. Mit all dem sollte man sich einmal auseinandergesetzt haben, empfiehlt Axel Hantelmann, Geschäftsführer von Hantelmann Garten- und Landschaftsbau GmbH in Dreieich, – und das am besten im Schulterschluss mit einem Fachmann, denn schon allein diese Aufzählung zeigt, wie vielfältig die Faktoren sind, die nachher einen nicht unwesentlichen Einfluss auf das Erscheinungsbild des Gartens ausüben. „Neben dem reinen Faktenwissen geht es natürlich auch um die Beschaffbarkeit“, so der erfahrene Gartenbauer weiter. „Denn viele Arten und Sorten, die ästhetisch und von den Standortbedingungen gut in einen Garten passen würden, gehören nicht zum gängigen Repertoire der Baumschule um die Ecke, können aber von einem gut vernetzten Profi problemlos besorgt werden.

Rollenzuweisung

Der Blick auf den Habitus ist deshalb so sinnvoll, weil es in den seltensten Fällen einfach darum geht, einen Baum sein Eigen zu nennen. Wenn ein solcher in einem Garten Einzug hält, dann immer mit Hintergedanken in Bezug auf die Rolle, die er hier in Zukunft einmal spielen könnte: Schattenspender, Sichtschutz, Schaukelhalter? All das funktioniert natürlich erst ab einer gewissen Größe und damit ist schon ein wichtiger Aspekt genannt, den es bei der Baumwahl zu berücksichtigen gilt. Zum einen wird nicht jeder Baum im Laufe seines Lebens so groß, dass man sich irgendwann unter seiner Krone vor der Sonne und den neugierigen Blicken der Nachbarn verstecken kann. Zum anderen darf auch nicht jeder Baum in jedem Garten nach Belieben wachsen. Meist ist hier schlicht Platz der limitierende Faktor. Wer also einen eher kleinen Garten, aber eine große Sehnsucht nach einem eigenen Baum hat, sollte genau schauen, wie hoch und breit der jeweilige Kandidat im Laufe seines Lebens werden könnte. „Dabei geht es nicht nur darum, dass bei allzu ausladendem Wuchs es allen Gartenbewohnern irgendwann zu eng werden könnte, sondern auch darum, dass ein zu großer Baum nicht mehr zu den sonstigen Proportionen von Haus und Garten passt und so irgendwann zum Fremdkörper oder gar zum Störenfried werden kann“, gibt Axel Hantelmann zu bedenken.

Formensprache

Wer seinen Blick einmal für die Silhouetten von Bäumen schärft, wird feststellen, dass diese sich von Art zu Art oft maßgeblich unterscheiden: Von hochstämmig mit kugelrunder Krone bis säulenförmig ist alles dabei. Und das heißt: Auch in Sachen Form muss der Baumkäufer eine Entscheidung treffen. Die hat natürlich mit ästhetischen Vorlieben, aber genauso gut wieder einmal mit dem zur Verfügung stehenden Platz und den dem Baum eventuell zugedachten Funktionen zu tun.

Habitus ist relativ

Bei aller Kenntnis der ureigensten Eigenschaften, die jedem Baum quasi angeboren sind, ist das mit dem Habitus allerdings so eine Sache, denn: Der lässt sich von Menschenhand beeinflussen und auch dauerhaft verändern. „Das passiert in jeder Baumschule tagtäglich, gehört zur züchterischen Routine und wird auch bei der Gartengestaltung ganz bewusst so eingesetzt“, erläutert Hantelmann. Denn von allein kämen Platanen nie auf die Idee, schirmförmig zu wachsen und Birken würden nicht freiwillig gleich mehrere Stämme ausbilden. Dann also das bisher Gelesene unter „Nice to know“ verbuchen und doch einen x-beliebigen Baum in den Garten setzen, den man sich zur Not so dressieren lassen kann, wie man ihn haben möchte? „Besser nicht“, rät der Experte. Denn ganz generell können Gartenfachleute wie er nur immer wieder dafür plädieren, sich mit den Pflanzen, die man sich in den Garten holt, intensiv auseinanderzusetzen. Nur so sind eine optimale Standortwahl und die passende Pflege gewährleistet – und die sind unerlässlich, wenn man dauerhaft Spaß an seinen grünen Mitbewohnern haben möchte. Außerdem plädiert Hantelmann hier eindeutig für Natürlichkeit: „Warum soll man einem Baum mit viel Mühe ein bestimmtes Erscheinungsbild anerziehen, wenn man das gleiche bei einer anderen Art auch von Natur aus finden kann?“, fragt er zu Recht. Einen Baum so wachsen zu lassen, wie es in seinen Genen verankert ist, spart außerdem Aufwand und damit Kosten für die „Umerziehung“.

Doch um nicht missverstanden zu werden, ergänzt Hantelmann: „Die allermeisten Baumarten brauchen trotzdem einen regelmäßigen Schnitt. Aber der dient dann eher der Herausarbeitung des Habitus und der gezielten Entwicklung des Baumes.“ Doch auch dazu muss man den Habitus erst einmal kennen – fundiertes Wissen zahlt sich also in jedem Falle aus. Soll der Habitus dennoch verändert werden, ist dies leichter, je jünger der Baum ist, aber Gehölze wie Platane, Eibe, Buchsbaum, Hainbuche, Liguster oder Linde sind auch noch in hohem Alter sehr gut schnittverträglich.

Text
Christiane Stoltenhoff