Aktuelles

Lagerfeuer für
Fortgeschrittene

Mehr erfahren
Es grünt & blüht

Summende
Pollenboten

Mehr erfahren
Leben & Genießen

Gärtner Dich
gesund!

Mehr erfahren

Ganz schön schräg

Planen & Gestalten

Ganz schön schräg

Einen Garten in Hanglage anzulegen, ist naturgemäß mühsamer als auf ebenem Gelände und erfordert professionelle Unterstützung. Doch der erhöhte Aufwand bei der Planung und Umsetzung lohnt sich, denn gerade ein Grundstück mit Höhenunterschieden bietet vielfältige Möglichkeiten. Da wird die Schräge zur Chance auf einen Garten mit ganz eigenen Stärken.

Höhenunterschiede auf einem Grundstück sind häufig ein echter Glücksfall für den Gartenbesitzer - das sollte man sich immer wieder bewusst machen. Zwar gibt es vor allem in der Bauphase die eine oder andere Herausforderung zu bestehen. Hat man die jedoch gemeistert, wird man mit einem Garten belohnt, der allein durch seine Topografie hochgradig attraktiv ist - eine Eigenschaft, die manch ebener Anlage nur durch vielfältige Gestaltungskniffe abgetrotzt werden kann.Die Aufgabe der Gestalter liegt darin, zu erkennen, welche Perspektiven und Ausblicke das jeweilige Hanggrundstück bietet, und diese dann optimal in Szene zu setzen. Dazu gehört auch, das Gelände zu gliedern und die Gegebenheiten jenseits der Grundstücksgrenzen in die Überlegungen einzubeziehen.

Weniger ist mehr – Hier wurde der Ausblick als Teil des Gartens inszeniert. Wer im Pool schwimmt, meint, bis zum See weiterpaddeln zu können.
Elegante Lösung – Hier wurde das leichte Gefälle mit breiten Rasenstufen abgefangen, die Terrassenkanten harmonieren gut mit der Dachlinie des Hauses.
Die kubisch geschnittenen Eiben sorgen für einen allmählichen Übergang von Architektur zu Natur.
Spielerisch – Ein ungewöhnliches Beispiel: Wenn Kinder den Garten nutzen, kann das Gefälle des Grundstücks als Basis für eine Rutsche dienen.
Extreme Hanglage – Das Grundstück fällt zum Seeufer steil ab, so dass das Areal unmittelbar am Haus wie eine Dachterrasse wirkt. Weiter unten trotzte der Gestalter dem Hang eine weitere Terrasse ab.

Geliehene Landschaft

Viele abfallende Grundstücke bieten einen unverbaubaren Blick in die Landschaft. Nicht umsonst gehören Hanglagen häufig zu den bevorzugten Wohngegenden. Ueli Leuthold, Gärtner von Eden aus der Schweiz, gefallen Grundstücke mit Gefälle und sie prägen seinen Alltag. Sein Betrieb liegt bei Zürich. Rund die Hälfte seiner Projekte baut er in Hanglage, nicht selten oberhalb des Zürichsees, wo Hanglage gleich Toplage ist. Doch auch ohne Seeblick käme es dem Gestalter nicht in den Sinn, Höhenunterschiede als Problem zu sehen: "Wenn ich solch ein Grundstück zum ersten Mal besuche, kann ich vielen Gartenbesitzern nur gratulieren. Gut inszeniert sind Höhenunterschiede fast immer ein Gewinn. Deshalb sehe ich Hanglagen als Chance für mich als Gestalter, kreativ zu werden.

"Die Gestaltung von Hanggrundstücken ist für ihn immer spannend, aber natürlich aufwendiger als das Arbeiten auf ebenem Grund. Rein bautechnisch ist Hanglage keineswegs gleich Hanglage. Die Bandbreite ist groß und reicht von moderaten Höhenunterschieden von einem halben Geschoss bis hin zu zehn Metern innerhalb eines Gartens. Bei Grundstücken oberhalb eines Sees oder in den Bergen versteht es sich von selbst, dass dieses Panorama nicht durch große Bäume verdeckt werden sollte. Der Weitblick über den Gartenzaun hinaus tut gut und bietet einen großen Vorteil: Das Hanggrundstück kann noch so klein sein - es wirkt viel größer, als es ist. Man muss die Landschaft nicht besitzen, um den eigenen Horizont optisch zu erweitern.

Der Betrieb von Christian Albrecht liegt im oberfränkischen Unterhaid. Oft arbeitet der Gärtner von Eden im rund zehn Kilometer entfernten Bamberg: "Hier gibt es viele Sehenswürdigkeiten, die man gerade von Hanglagen aus gut sehen kann. Wenn ein Gartengrundstück den Blick auf den Dom oder das Kloster Michelsberg ermöglicht, halte ich solche Aussichten natürlich frei." Zugegeben, Bamberg dürfte auf einer Liste der malerischsten Städte weit oben stehen. Doch nicht nur klassische Urlaubslandschaften liefern attraktive Aussichten. Selbst der Blick auf eine betriebsame Großstadt hat etwas Beruhigendes, zum Beispiel wenn sie sich als nächtliches Lichtermeer präsentiert - sofern man die Metropole von den umgebenden Hängen aus betrachten kann.

Die naturnahe Bepflanzung mildert die Kanten der Bruchsteine ab.

Auf mehreren Ebenen gärtnern

Den Blick schweifen zu lassen und sich als Teil der Landschaft zu fühlen, ist wunderbar. Doch ein Hanggarten ist natürlich mehr als nur ein Ausguck. Und damit kommen wir zu den planerischen Herausforderungen: Trotz Gefälle soll das Grundstück natürlich optimal nutzbar sein. Deshalb stehen am Anfang der Hanggartengestaltung je nach Steigung mehr oder weniger intensive Erdarbeiten. Mit Hilfe von Stützmauern werden Terrassen modelliert oder Böschungen bepflanzt. Damit das Ergebnis bautechnisch wie ästhetisch gleichermaßen überzeugend ausfällt, sollten hierbei Fachwissen und gestalterisches Fingerspitzengefühl Hand in Hand gehen. Die Materialien für Mauern wählt Christian Albrecht sorgfältig aus: "Ich setze viel Naturstein und hin und wieder Beton ein.

Das Material muss immer mit dem Baustil des Hauses korrespondieren. Zu einer modernen kubischen Bauweise passt Beton durchaus, bei einer alten Villa ist Naturstein natürlich besser. Den wähle ich dann farblich auf das Haus abgestimmt aus." Manchmal werden Materialien auch kombiniert: Eine Betonwand etwa stützt das Gelände ab und wird mit Naturstein verblendet. Doch es geht nicht nur um Äußerlichkeiten, sondern auch um Proportionen, erklärt Albrecht: "Die einzelnen Terrassen dürfen nicht zu groß und nicht zu klein sein. Man soll sich schließlich wohlfühlen." Dabei ist auch die Höhe der einzelnen Stützmauern wichtig, wie Ueli Leuthold weiß: "Die Rückendeckung einer Mauer strahlt Geborgenheit aus - ideal für einen Sitzplatz. Zu hoch sollte das Mauerwerk aber nicht sein, sonst fühlt man sich schnell unwohl." Niedrige Mauern können sogar selbst als Sitzgelegenheit dienen und für Abwechslung sorgen. Für Ueli Leuthold ist das aber vor allem eine Frage der Einbindung: "Ich kann nur sagen: Keine Angst vor hohen Mauern! Wenn sie geschickt gestaltet, gut im Gelände platziert und durchdacht mit Pflanzen kombiniert sind, dürfen sie auch gern höher sein.

"Langweilig ist ein gut gegliederter Hanggarten ohnehin nie. So ist ein schöner Dreh, jeder einzelnen Terrasse ein eigenes Thema zu geben. Eine duftende Kräuterebene, ein Frühstücksplatz, eine Poolterrasse oder ein Sonnendeck zum Entspannen: Die Möglichkeiten sind vielfältig und die klare Zuordnung der Ebenen steht dem Garten auch gestalterisch gut.

Das in den Hang gebaute Haus mit seiner modernen Glasfassade erhält durch die rauen Natursteinblöcke, die den Hang stützen, einen spannenden Gegenpol.

Blicken und blicken lassen

Sobald der Garten in Terrassen gegliedert ist, kann dort gegärtnert und gepflanzt werden wie auf anderen ebenen Flächen auch - oder? Nicht ganz, erzählt Ueli Leuthold: "Hanggärten brauchen einen speziellen Sichtschutz. Das wird oft vergessen." Das Dilemma besteht seiner Erfahrung nach darin, dass man den Ausblick inszenieren, die Gartennutzer aber nicht auf den Präsentierteller setzen möchte. "Am einfachsten wäre es, hohe Hecken oder Bäume so nahe wie möglich an die Grundstücksgrenze zu pflanzen. Dann nehme ich aber den Nachbarn oft einen Teil des Blicks in die Landschaft. Stattdessen rücke ich meist von der Grundstücksgrenze ab und sorge lieber direkt dort für Sichtschutz, wo er gebraucht wird. Am Sitzplatz zum Beispiel durch einen schirmförmigen Baum oder eine Pergola." Gute Nachbarschaft erhöht den Gartengenuss schließlich ebenso wie eine pittoreske Hanglage.

Vorteil Hanggrundstück: Der Blick kann auch dort schweifen, wo das eigene Grundstück längst zu Ende ist.

Pflanzen für Hanggärten

Grundsätzlich eignen sich Pflanzen mit einem dichten Wurzelwerk für Böschungen. Sie verhindern, dass Regenwasser den Boden wegschwemmt. Auch oberirdisch sollten die Pflanzen möglichst dicht und boden- deckend wachsen, damit möglichst wenig Erde unbedeckt bleibt und weggeschwemmt werden kann. Ungeeignet für Böschungen sind empfindliche, punktuell wachsende Pflanzen wie zum Beispiel Rittersporn.

Gestalterisch vor Mauern
Wenn die Mauern der Terrassen zu wuchtig wirken (vor allem beim Blick vom Fuß des Hanggartens nach oben), lässt sich das durch vorgepflanzte Gehölze wie zum Beispiel Hecken aus geschnittenen Eiben lösen.

Auf den Terrassen
Ueli Leuthold empfiehlt unter anderem den Strauchwacholder (Juniperus media 'Mint Julep') und kompakte Schmuckgehölze wie die Glanzmispel (Photinia) 'Red Robin' oder, je nach Klima, auch Weinreben. Die Pflanzen sollten robust sein und phasenweise Trockenheit überstehen können, da es gerade an Südhängen vor Mauern heiß und trocken sein kann.

Gehölze für Böschungen
Fingerstrauch (Potentilla), Hundsrosen (Rosa canina), Japanischer Schneeball (Viburnum plicatum).

Stauden für Böschungen
Gut geeignet sind bodendeckende Stauden wie Storchschnabel (Geranium), Frauenmantel (Alchemilla) und Elfenblumen (Epimedium).

 

Text
Stefanie Syren